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Texte - Anregungen von...

    Ingo Stermann, 2017
    Christine Mathà, Die Symbiose von Kunst und Handwerk, 2013
    Renate Tappeiner, 2006
    Christine Mathà - Harmonische Symmetrien 2005
    Prof. Egon Tscholl - Die neue Bildwelt von Markus Damini.  2003  
    Martin Kammerer - Zauber einer entzauberten Wirklichkeit. 2003
    Verena Huber - Durch den Spiegel   2003
    Judith Wieser - Durch den Spiegel zum Ich  2002
    Doris Brunner - Am Anfang war der Kreis   1999
    Martin Kammerer - Über das Echo eines Malers  1999
    Prof. Egon Tscholl - Bilder auf Leder   1995
    Fiorenzo Degasperi - Parallele Welten  1994     

Für-wahr-nehmen Nachdenken Gestalten Sich zeigen
Zur Ausstellung 2017 in der Galeria Salvatore, Hall in Tirol

Wenn Markus Damini über das Ich und die Welt nachdenkt und das Erdachte in Bildern und Skulpturen sichtbar machen möchte, dann wird er gewissermaßen zum Surfer zwischen jenen Polaritäten der umgebenden wie der eigenen Natur , die er behauptet, die er sucht und die er findet, ob es sich nun um das Sowohl-als-auch des Lichtes als energetische Welle und Partikel handelt, oder um das Individuum, das Ich, in der reflektierenden Begegnung mit der Welt. Damini kondensiert diese Wechselbeziehungen in den Materialien, die er verwendet, kristalliert sie gewissermaßen zu Bildern und Formen aus, und fordert dann auch die Betrachter seiner Werke heraus, sich für eine Beziehungsaufnahme mit dem Kunstwerk herzugeben, das Bild oder die Form zu lesen und seine Aufsuche und Darstellung der Polaritäten nachzuvollziehen: Künstlerischer Ausdruck und Resonanz des Publikums bilden so eine weitere Polarität und einen Schlüssel zum Eintritt in Daminis „Vor-Stellungen“.
Den knappsten und doch umfassendsten Ausdruck dafür legt der Künstler vor, wenn er Römisch Eins und die Null als „IO“ (ital.: ich) und zugleich als elektronische Weltformel“I0“ der Wissensver- und entschlüsselung kombiniert und als Chiffre variiert: vom leicht zu übersehenden Detail am Bildrand bis hin zum beherrschenden und sich im Unendlichen wie im Kleinsten erstreckenden Thema einer Stele.
Damini hat sich diese Chiffre für viele seiner Werke und eine längere Zeit seines Wirkens als Signatur gewählt; am Bildrand platziert schaut sie dann stellvertretend für den Künstler auf das geschaffene Bild und lädt den Betrachter -wenn er sie entdeckt- ein, ebenfalls diesen Blickwinkel zu erproben. Du schaust dann zum Beispiel als winzigkleines Etwas in den Makrokosmos der Pusteblume hinein, fragst dich aber zugleich, ob das nicht auch eine Vision des Urknalls oder die pantokratische Rosette einer Kathedrale sein könnte?
Ähnlich ergeht es einem bei den explizit auf das Licht und seine Doppelnatur als Welle und Teilchen gerichteten Bildern, in den Damini den Wandel und die Konstanz, die Wiederholung und die Veränderung von Elementen und ihren Verhältnissen anschaulich macht, wenn sie dem Licht in der einen oder anderen seiner Seinsweisen begegnen. Immer wieder wachen dann Fragen auf, was wen bewegt, welche Seite aktiv, welche passiv ist, wann die Reflexion fasziniert, wann die Dynamik des Anstosses, wann das scheinbar widerstandlose Durchgehn des Lichtes durch die Materie?
Fraglich bleibt auch immer, ob du gerade etwas siehst, das sich auf atomarer Ebene unter einem Elektronenmikroskop beobachten läßt, oder ob du in eine entlegene Galaxie ganz eigener Art schauen darfst. In der Betrachtung gerätst du dabei aber eher ins Erstaunen über diese extremen Alternativen, als daß du dich verstört fühlst; eher neigst du zur Neugier als dazu, dich abzuwenden, zumal wenn dir dann aufgeht, daß manches dieser Bilder von strenger geometrischer Ordnung ist und in einem schmucklosen, an sich nichtssagenden rechteckigen Rahmen hängt, als ob der Künstler nochmal eins draufsetzen und selbstironisch sagen wollte: Mikro- oder Makrokosmos –am Ende hängts halt doch einfach an der Wand!
Ein ähnliches Aufmerken passiert bei der Betrachtung der (in der Ausstellung nicht präsentierten) eigentlich naturalistischen Widergaben von bekannten Südtiroler Bergmassiven auf Leinwand, die Damini aber dadurch verfremdet, daß er sie entweder in das kalte Licht und die Schwarz-Weiss-Kontraste eines atmosphärelosen Mondes taucht oder sie wie durch die schlierige Luft eines Planeten mit völlig anderen atmosphärischen und Lichtverhältnisse aufscheinen läßt.
Auch hier üben die Gravitationszentren von Daminis Denken, Forschen und Schaffen ihre Wirkung aus: Es ist eine Frage des Lichtes, wie befremdlich heimisch Vertrautes wirken kann; und es ist die Begrenztheit des eigenen Ich und seiner Wahrnehmungsmöglichkeiten, die die Welt und ihre Phänomene SO aufscheinen läßt, während die Wirklichkeit auch in unabsehbar vielen anderen Facetten aufscheinen könnte. Daminis Kunst erprobt Perspektivwechsel und liefert dafür –metaphorisch gesprochen- auch noch die Wechselrahmen.
Du bekommst es also mit Bildern zu tun, die dich zum Denken anregen, die vom Rand bis zur Mitte und zurück studieren kannst. Was dich anschaut ist bild- oder formgewordene geistige Arbeit, die dich zum Forschen und Antworten animiert (ach ja, anima heißt Seele)ähnlich wie und zugleich ganz anders als ein an dich gerichtetes Wort, eine Ansprache.
Für einen bildenden Künstler bemerkenswert und hervorzuheben: Bei Damini geschieht das nicht als abstrakter Ausdruck eines Gemütszustandes, als beinahe gleichgültig entäußertes Manifest eines Lebensmomentes („ohne Titel!“), als namenlos gebliebenes ausgesetztes Kind des Geistes, sondern als im besten Sinne anschaulich gemachte Überlegung. Du kannst sie als unvollständig, stückhaft, ausschnittartig, verkürzt, formelhaft, „istantanea“ bezeichnen und ihre Vorläufigkeit und beschränkte Subjektivität kritisieren, wenn du es unbedingt böse meinen willst, aber das trifft den Künstler nicht, weil er genau darum weiss und diese Begrenztheit absichtsvoll mit gestaltet: Keines von Daminis Bildern strebt nach photographischer Perfektion, jedes hat klare geschnittene Grenzen und ein über zufälliges „so sein lassen wie es gekommen ist“ erhabenes gewähltes und gestaltetes Format.
Das erfordert sowohl Mut als auch Demut: Damini kennt seine persönlichen Grenzen und ahnt die des Menschenmöglichen, aber in dieser Bedingtheit wagt er zu denken und auszudrücken, was ihm in den Sinn kommt und bietet sich zum konkreten Dialog an. Den Mut haben viele Narzißten, die sich im grandiosen, dabei aber auch abstrakt und namenlos bleibenden Ausdrucksrausch üben, nicht.


Ingo Stermann

Wie Pusteblumen einen zum Nachdenken bringen können
(wenn Markus Damini sie malt!):
Zur Ausstellung 2017 in der Galeria Salvatore, Hall in Tirol
Markus Daminis Bilder von Pusteblumen und deren Abwandlungen, von denen die Ausstellung eine Auswahl zeigt, gehören mit Andacht angeschaut zu werden. Das alte und in postmodernen Zeiten nahezu ausgestorbene, fast anstößig wirkende Wort findet vor diesen Bildern einen guten Platz und kann im aufgeschlossenen, begegnungsbereiten Besucher einen Augenblick synästhetischen Verstehens anstoßen: Es braucht ein stille werdendes An-denken, ein behutsames Heran- und Hineingehen in die Bilderräume der Pusteblume, um dieser kleinen Königin gerecht zu werden. Wenn dir das gelingt, kehrst du ihrer Majestät ein-gedenk und vielleicht ein bißchen gläubiger geworden aus dem virtuellen Raum (Virtus: bedeutet eigentlich: Tugend) in das alte Kellergewölbe zurück, in das die Galeria Salvator neue „linfa vitale“ gebracht hat.
Mir persönlich kommen beim Betrachten der Pusteblumenbilder noch andere Worte in den Sinn, die ebenfalls alt und „out“ sind, aber erstaunlich viel an überzeugender emotionaler Qualität beinhalten, wenn man sie nur ernsthaft aufruft: Ehrfurcht, Bewunderung, Dankbarkeit. Versuchen Sie mal beim Herantreten an die Bilder ein paar Schritte in die Richtung ihrer Klänge:
Wann haben Sie zuletzt eine Pusteblume in der Hand gehabt und betrachtet? Ich empfehle ernsthaft –zum Zeitpunkt der Ausstellung mitten im Frühjahr geht das ja wirklich- , wieder einmal eine Pusteblume „in vollem Ornat“ zu pflücken. Möglicherweise haben Sie das zuletzt als Kind oder mit Ihren mittlerweile schon groß gewordenen Kindern versucht.
Sie vollständig zu pflücken, ohne etwas an ihr zu ändern, gelingt nicht mit Selbstverständlichkeit, leichtflüchtig wie sie gebaut ist -und ganz abgesehen davon, daß das Pflücken ihr ja den Tod bringt. So rund und hermetisch das Gebilde für oberflächliche Blicke anmutet, braucht es je nach Reife wenig mehr als einen Hauch, damit sich einer oder auch eine ganze Schwadron aus diesem heroischen Kugelheer der Samenflieger ablöst und in die Welt fliegt.
Wenn das geschieht, gehen den Kindern die Augen über: Diese schlanken kleinen Körperchen können, was kein Mensch kann: schweben, fliegen, lautlos enteilen. Heimatverbundene Tiroler und eingefleischte Städter bekommen dagegen bei so viel migratorischem Leichtsinn vielleicht eher schwindlige Gefühle.
Was auf freier Wiese nicht leicht geht und noch weniger leicht mit einem lebendigen Kind an der Hand, das eigentlich den Fliegern hinterherjagen will, das ermöglichen Ihnen Daminis von Pusteblumen inspirierte Bilder: mal genau hinsehen, wie so ein Etwas eigentlich aufgebaut ist, wie sich seine Gesamtgestalt von innen darstellt und wie sich seine vielen kleinen Wesenheiten zueinander verhalten.
Zum einen sind diese Bilder luftig großformatig, mit einem feinen Farbgefühl für die Widergabe des freien Raumes und mit Aufmerksamkeit für die große konzentrische Perspektive der zentralen Kugel und der über-wölbenden Federkuppel; zum anderen bietet Damini sein geschultes Beob-achtungsvermögen und seine malerischen Wiedergabefähigkeiten auch auf für die zentrifugale „Extravaganz“ und die kleinen Einzelheiten der sich lösenden Flugsamen, um diesen winzigen und doch komplexen und vielgestaltigen Kosmos auf unsere alltagsstumpfe Augenhöhe zu bringen.
Das alles ist in der großen Form Strich für Strich, Tupfer für Tupfer und in nachvollziehbaren perspektivischen Kurvenlinien und Schwüngen erkennbar. Hut ab! Wieviele kleine Soldaten der Samenheilsarmee mit Körperchen, Stiel und Flugwedel würden Sie wohl akkurat malen, bevor es Ihnen im Kopf langweilig und am Arm schwer fallen würde, immer wieder von neuem anzusetzen und jedesmal Abstände, Neigungen, Farbintensitäten leicht aber folgerichtig zu variieren?
Hier ist Handwerkskunst anzusehen mit allem, was es dafür braucht und dank des Verzichts auf alles was es dafür nicht braucht: Solche Kunst ergibt sich aus Maß, Präzision, Feinheit, Geduld, Ruhe, und damit dies alles zum Zuge kommen kann, bedarf es der Disziplin: Kein Alkohol, kein Kaffee, keine Zigaretten und in der Nacht genug Schlaf. Nicht wenig für das Bild von „`ner ollen Pusteblume“, die im Nu verweht, geknickt, umgetreten wird und von der es Milliarden gibt. Damini macht daraus Einzelstücke, Preziosen.
Wenn Sie dann aus diesem Ausstellungsraum von den Pusteblumen weitergehen in die anderen Gewölbe der Galerie, zum „Zyklus“ oder zu den Bildern des Themenschwerpunkts „Licht und Materie“, dann gelangen Sie zu Darstellungen von gedanklichen Konzepten universeller Größe und danach wieder zurück ins unvorstellbar Kleinste und haben bei alledem dennoch das Sujet nicht gewechselt: die Natur, den Kosmos, welch letzteres griechische Wort nicht nur das Weltall bezeichnet, sondern auch „Ordnung“ und „Schmuck“ bedeutet.
Daß es in der Natur durchgehend darum geht: um Gesetzmäßigkeiten, die sich in verstehbarer, sinnvoller Ordnung und Schönheit manifestieren und nicht in chaotisch gleichgültiger Zufälligkeit, das wird in dem von Damini aufgezeigten Wechselspiel der Polaritäten zwischen Zentrum und Peripherie, Anziehung und Expansion, Kompaktheit und Durchlässigkeit, Ruhe und Bewegung, Licht und Widerschein, sinnfällig. Ganz nebenbei hat der Beobachter und Denker Damini Sie dann auch noch erleben lassen, was Schönheit der Erkenntnis und Erkenntnis des Schönen bedeuten, und damit –so hoffen er, die Galeristen und der Unterschreibende- hat sich der Besuch der Ausstellung voll rentiert.
Ingo Stermann, 2017

Die Symbiose von Kunst und Handwerk in Leder
Ein Besuch im Galerieatelier von Markus Damini in Brixen.


Im Dezember 2010 eröffnete der Brixner Künstler Markus Damini seine Galerie und Kunstwerkstatt in Stufels und bereichert damit das älteste Stadtviertel um einen Neuzugang ganz besonderer Art.

Schon in den 70er Jahren hatte Damini sich der künstlerischen Lederverarbeitung gewidmet und seine malerische Kreativität in das Kunsthandwerk einfließen lassen. Praktische Gegenstände wie Gürtel, Portemonnaies und verschiedene Modelle von Hand-und Aktentaschen wurden von ihm punziert, genietet und eingefärbt, denn die Bearbeitung gegerbter Tierhaut faszinierte ihn vom ersten Augenblick an. Die Langlebigkeit des Materials, die natürliche Herkunft und die gewisse Sprödigkeit die es der handwerklichen Verarbeitung entgegensetzt, all das reizte den Künstler sich mehr und mehr damit zu befassen, bis er schließlich in den 90er Jahren von einer Malerfreundin motiviert, anfing seine Lederbilder zu schaffen, um sich völlig auf die Kunst zu konzentrieren und das Handwerk für längere Zeit ruhen zu lassen. Im Einklang gewissermaßen mit dem italienischen Sprichwort: „ Impara l`arte e mettila da parte“. (Lerne die Kunst und lege sie beiseite)…
Aber der handwerkliche Aspekt im Umgang mit dieser Materie, ließ ihn doch nicht ganz los. Vor nicht allzu langer Zeit geschah es dann; bei der Betrachtung seiner Lederbilder erwägte er, was eine Zweckentfremdung wohl bringen würde und so fing er an ein paar seiner alten Bilder in Streifen zu zerschneiden.
Lauter Fragmente lagen jetzt vor ihm und verlangten geradezu nach einer neuen Zuordnung. Die neue Ordnung die aus dem Chaos sich bilden muss, bildete hier die Grundidee für seine Inspirierung. Immer neue Kombinationen ergaben sich aus dem zerschnittenem Material und der Künstler selbst war vom Resultat seiner Verarbeitungen des öfteren selbst überrascht. Wenn er aus den Fragmenten der Bilder Taschen und Gürtel zauberte und damit neue Unikate schuf, tat sich ihm auch eine andere Sichtweise auf die Kunst und Handwerk wieder zusammen führten.
Denn aus der Kunst dringt hier das Bildhafte ins Handwerk und verleiht ihm den ganz besonderen Wert. Damini graviert seine zeichnerischen Motive mit einem speziellen Punziereisen ein und, die effektvoll eingestanzten Metallnieten, verleihen den Gürteln eine Originalität, die sie zu Kunstobjekten macht. Auch teures Stierleder aus der Toskana kommt zum Einsatz, weil es sich durch besondere Stärke und Langlebigkeit auszeichnet und zum Teil werden die Gürtel mit versilberten Schnallen veredelt.
Der Künstler selbst sagt, dass die Punziertechnik auf Leder zu den ältesten Kunstformen gehört, die schon die Menschen aus der Urzeit anwandten, um sich mit den Göttern oder den Sternen zu verbinden. Er selbst kommt der in der Luft liegenden Frage zuvor: aber warum gerade Gürtel? Und seine Antwort ist sehr einfach, Leder kann zu kleinen „tragbaren“ Kunstwerken verarbeitet werden, die für jedermann finanziell erschwinglich sind. Und durch das Tragen erreicht das kleine Kunstwerk eine bestimmte Art von Verbundenheit, es wird vom Träger nicht nur praktisch sondern auch ästhetisch wie eine zweite Haut gesehen.
Die Handtaschen, die zum Teil aus zerschnittenen Bildern bestehen, haben bereits große Bewunderung hervor gerufen. Auch die Farben und Lasuren mit denen Damini das Leder einfärbt,werden vom Künstler eigens zusammen gestellt, wobei er darauf achtet, dass es sich um lichtechte Pigmente handelt, weil sich nicht alle Farben für die Pigmentierung des Leders eignen.
Markus Damini legt großen Wert auf einen regen Austausch mit den Besuchern und Interessierten und hat fest gestellt, dass sich die Betrachter seiner kleinen Unikate leichter auf einen Dialog einlassen, weil man kein Kunstexperte sein muss, um die Qualität und Originalität seiner Kreationen zu beurteilen. In seiner Galerie gibt es natürlich auch noch seine Bilder auf Leder und anderen Bildträgern zu betrachten und diese harmonische Mischung von Kunsthandwerk und Kunst macht einen Besuch in seinem Galerieatelier zu einem ästhetischen Genuss, bei dem man zugleich in enge Berührung mit dem selten gewordenen schöpferischen Handwerk kommt.

Christine Matha



Renate Tappeiner, Astrologin und Lebensberaterin, 2006

Was mich beeindruckt hat bei unserer Begegnung ist die Entdeckung einer gemeinsamen Sprache, die zwar in ihrer Form verschieden ist, in ihrem Inhalt, oder ihrem Wesen aber gleich.
Damini, der Künstler, spricht in gemalten oder bearbeiteten Bildern, die in ihrer Ausdruckskraft und Tiefe mehr beinhalten als ihre äußere Form zunächst vermuten lässt.
Ich hingegen spreche aus meiner geistigen und esoterischen Bildung, in Worten die genauso eine tiefere Bedeutung beinhalten als ihre äußere Form zunächst offenbart.
Der Betrachter, oder der Zuhörer muß aber eine grundlegende Bereitschaft und geistige Offenheit mitbringen um diese tiefere Ebene zu erfassen und die Botschaft dessen was hier sozusagen symbolisch zum Ausdruck gebracht wird zu verstehen.
Ich sage das absichtlich um Ihre Neugierde zu wecken, und Ihre Aufmerksamkeit auf eine Ebene zu lenken die ich als die Ebene der Wirklichkeit bezeichnen möchte.
Wirklichkeit ist nicht zu verwechseln mit der Realität die wir als offensichtlich und materiell- greifbar erleben, wie z.B. ein Bild, Musik oder ein Gedicht. Als Wirklichkeit ist hier gemeint, der unsichtbare Bereich des Lebens, der energetische Bereich, aus dem die Wirkungen kommen welche dann die Realität bzw. die Form, das materielle Bild, die Musik und das Gedicht hervorbringen und gestalten.

Wirklichkeit ist der Bereich den wir in der Astrologie das „Energiefeld“ bezeichnen, das die Physiker das „Quantenfeld“ nennen, und die großen Weisheitslehren das „Feld des reinen Geistes“.
Vielleicht sind Sie bereit, die Existenz dieser Wirklichkeit anzuerkennen, weil Sie sie schon erfahren haben, oder weil Sie diese Ebene erfahren möchten weil Sie spüren dass es da im Leben noch etwas geben muß, etwas das Sie zwar nicht konkret benennen können, das Sie aber in ganz bestimmten gesegneten Augenblicken wahrnehmen als etwas heiliges, als etwas das Sie tief im Herzen berührt.
Das Bild ist die geschaffene Realität, aber die Inspiration dazu kommt aus dem Bereich der Wirklichkeit, aus dem Bereich des Unsichtbaren. Jener Bereich also der Ursprung und Quelle ist für alle kreativen Prozesse und für alles Geschaffene.
Es ist der Bereich in dem der Künstler sich eigentlich zu Hause fühlt. So ist er immer auch ein Grenzgänger zwischen dieser materiellen Welt und der Unendlichkeit. Das macht ihn so schmerzhaft unverstanden in einer Welt, die vom Unendlichen nichts weiß.
Wenn aber der Anblick des Bildes etwas in Ihnen zum klingen bringt, dann findet eine Resonanz statt, eine Kommunikation auf höherer Ebene sozusagen, nämlich zwischen Ihrer Seele und dem Unbeschreiblichen. Und es ist nicht die Form des Bildes selbst sondern sein inneres Wesen, das die Schwingung in Ihrer Seele erzeugt, flügelleicht, wie Samen im Wind……..
Das sichtbar Bild ist das Symbol, der Ausdruck dessen was das Unsichtbare durch den Künstler mitteilen will, es ist die Sprache die der Künstler benützt, um zur Seele zu sprechen, das Herz zu berühren und eine Wandlung zu bewirken…….
Die Perfektion der Technik ist somit keine Frage der Schule oder der Ausbildung, ja nicht einmal der Übung und des Fleißes, sondern sie ist eine Gabe, die jenen innewohnt die die feinen Schwingungen des Geistes zu empfangen vermögen.
Im Grunde ist die Kunst eine Zwiesprache mit dem Universum. Und der Künstler selbst ein Eingeweihter, denn er überbringt mit seinem Werk eine Botschaft die nur dann verstanden werden kann wenn sie den Betrachter im innersten berührt.

Wenn wir nun die Werke von Markus Damini betrachten, finden wir zuerst eine große Klarheit, Einfachheit und Direktheit mit der seine Bilder zum Betrachter sprechen.
Sie strahlen Ruhe und Harmonie aus und bezeugen die Schönheit und Selbstverständlichkeit mit der auch alle vitalen und kreativen Prozesse in der Natur vonstatten gehen.
Das zeigt uns z.B. dass wir all unseren Stress, unsere Sorgen und Mühen und vor allem unser egobezogenes Tun beiseite lassen können, denn all das was im Leben geschieht, egal ob auf der individuellen oder kollektiven Ebene, vollzieht sich nach den gleichen Gesetzen wie alle Manifestationen im Kosmos: und zwar, mühelos, reibungslos und absolut im Sinne des Ganzen, mit oder ohne unser Zutun, mit oder ohne unserer Zustimmung.
So sehen wir auch hier in den Bildern, jedes Werk in sich ein komplexes Ganzes, gleich dem Mechanismus der Schöpfung, welcher der Einfachheit der natürlichen Abfolge von Werden und Vergehen, von Licht und Schatten, von Sein und Nicht-sein , der Urdynamit des manifesten Lebens also, sichtbare und erkennbare Formen verleiht.

Der Kreis, die Sonne, die Null, das Ich, oder die Pusteblume, eine Kugel, ein Stern, es ist das Urmodell des Kosmos das hier gezeichnet ist. Es sind Symbole für Ganzheit, Symbole für Ewigkeit, für Vollkommenheit…..
Das Urenergiefeld das aus dem Nichts entsteht und in das Nichts zurückkehrt, ist wie eine Welle im Meer, die kommt und geht und in dieser unendlichen Bewegung das Gleichgewicht symbolisiert das alles Lebendige durch die Polaritäten bewegt, Tag und Nacht….Ebbe und Flut, Plus und Minus……
Der Kreis als das Symbol des Augenblicks zeigt das Hier und Jetzt, und das ist alles was ist, was jemals war und was sein wird, nämlich Bewußtsein.
Wenn dieses Bewusstsein im Menschen aufbricht erkennt er was Leben wirklich ist: reine immerwährende Freude, lebendige, permanente Aufmerksamkeit für die Schönheit und Intelligenz des reinen Seins.

Interessantes Element in den Werken von Damini ist der Spiegel. Er stellt jenes Element dar in dem das Denken sich selbst erkennt, in dem der Denker sich selbst erlebt, und immer wieder nur sich selbst. Denn wenn Sie in den Spiegel schauen können Sie immer nur sich selbst erkennen.
Was im Klartext nichts anderes bedeutet als dass jedes Urteil das eine denkender Geist abgibt nur immer wieder seinen eigenen inneren Zustand beschreibt und somit jede Objektivität als Illusion entlarvt.

Wenn also das Bewusstsein sich im Spiegel der Erscheinungen betrachtet, erkennt es die Welt als Bild seiner selbst. Dann löst sich der Denker auf und der Beobachter bezieht Stellung. Das Ich stirbt und wird im Selbst wiedergeboren. Wenn das geschieht, und es geschieht durch die Wandlung, dann werden wir erst wissen was Liebe ist.

Lassen Sie sich also berühren von den Formen und Bildern, von den Texten und der Musik, dann kann Transformation stattfinden und es ist wie ein Wechsel von der Ebene des Kopfes hin auf die Ebene des Herzens. Von der Peripherie hinein ins Zentrum Ihres Lebens.


Harmonische Symmetrien


Art & Poetry – Bilder und Gedichte vom 1. bis zum 14. Oktober in Schloss Rechtenthal in Tramin. Eine Symbiose zwischen Bild und Poesie von Markus Damini und Christine Matha’.

In der Malerei von Markus Damini sind einige Leitmotive zu finden, die ihn immer wieder neu inspirieren. Wenn er vom Streben nach dem Gleichgewicht in der Natur spricht, dann denkt man an das, von ihm immer neu interpretierte, Motiv der Pusteblume. Zwar ist, wie Damini sagt der Ausdruck Pusteblume unzutreffend, denn es handelt sich dabei ja um den Samenträger des Löwenzahns, eine der unscheinbarsten Wiesenblumen überhaupt. In der Pusteblume ist, wenn wir sie mit anderen Augen betrachten dennoch die ganze Leichtigkeit des Seins ebenso wie die symmetrische Harmonie in der Anordnung der Samen aufgefangen und dieser „Einklang im Sein“ findet wiederum seinen poetischen Ausdruck in der geballten Lyrik von Christine Matha’, deren Thema sich mit der Kreisförmigkeit des Seins befasst. Ein weiteres Leitmotiv im Schaffen Damini’s ist jenes der unendlichen Spiegelungen von denen er den Ausgangspunkt immer wieder im eigenen Ich entdeckt, das als Betrachtendes und als Betrachtetes zugleich mit dem Du in Wechselwirkung erfahren wird.
Das Thema der Spiegelungen wird auch in zwei Gedichten (deutsch –italienisch)
von Christine Matha’ zum Ausdruck gebracht. So entsteht in dieser Ausstellung von Bildern und Gedichten eine Symbiose eigener Art zwischen Bild ( gemalte Gedanken) und Wort ( geformte Gedanken).
Beide Themen, sei es nun das der Pusteblume als jenes der Spiegelung haben eines gemeinsam: nämlich die fundamentale Idee des Unendlichen in der Natur und im Menschen. (Markrokosmos und Mikrokosmos)
Der Kreislauf in der Natur ebenso wie die endlose Kette der Spiegelungen (Markus Damini vergleicht sie mit der spiralenförmigen Kette des DNS) hat die Menschen jeder Epoche zutiefst fasziniert. Schon in den Büchern des Hermes Trismegistos der frühchristlichen Epoche können wir davon lesen und es hat sich in den Jahrhunderten wenig an der Fazination dieser Thematik geändert..




 


Die neue Bildwelt von Markus Damini
  Egon Tscholl, Kunstprofessor und Kunstkritiker, 2003

 

 

  Räume zwischen Licht und Schatten

Markus Damini ist 1955 in Bozen geboren, lebt und arbeitet heute in Brixen (Südtirol). Die Exponate der früheren Kreationen auf Leder belegen seine Kulturreisen nach Südamerika und Indien, während die neuen Arbeiten von philosophischen Ansätzen geprägt sind.

So ist sein persönliches Signet IO keineswegs aus Übermut entstanden, sondern ist der Reflexion zwischen westlichen und fernöstlichen Denkstrukturen entwachsen, ist zwischen These und Antithese zur Synthese einer Überlegung geworden, in der Gegensätze sich aufzuheben und sich zur erhabenen Harmonie zu verbinden scheinen, zu einem geistigen Kosmos, der im Einklang von realen mit ideellen Strukturen übereinstimmt.

Auch die Pusteblume in ihrem zarten Lichtgrau ist Teil dieses Kosmos und ein vielfach zu interpretierendes Symbol, zumal die emblematische Grundstruktur, also Stängel und kugelförmiges Samenpaket, wieder vom IO gebildet wird, also von den zwei Buchstaben I und O, die in ihrer Majuskelschrift ebenso als die beiden Zahlen I (eins) und O (null) gelesen werden können, als zwei Zahlenindikatoren mit gegensätzlichem Wertsystem. Die Eins steht für eine mathematische Größe, während die Null dazu im konträren Verhältnis steht, vergleichbar mit psychischen Vorgängen des Seelenlebens in Verbindung mit Bewusstem und Unterbewusstem. Damini interpretiert malerisch diese Gegensätze, während die moderne Individualpsychologie und Tiefenpsychologie bemüht ist, die tiefen Schichten der menschlichen Psyche mit Oberflächenphänomenen kausalgenetisch zu erklären.

Auch die Polarität von Plus und Minus ist eine IO-Variation, ein künstlerisches Stilmittel im Sinne einer Metapher, um Gegensätze bzw. Zusammenhänge zwischen Ratio und Irrationalem, zwischen Licht und Schatten, zwischen Dynamik und Statik, zwischen dionysischer Hingabe und strengem Formenbewusstsein oder zwischen anderen Gegensatzpaaren auszudrücken.

Wenn also das Schlüsselsymbol IO inhaltlich und formal in verschiedenen Werken wiederkehrt, so wollen diese Selbstporträts von Markus Damini in ihrem betont harmonischen Formenbewusstsein die Überlagerung verschiedener Erlebnis- und Erkenntnisstufen andeuten.

Es sei auch erwähnt, dass der von Galileo Galilei entdeckte Jupitermond IO neben unserer Erde der einzige Himmelskörper unseres Sonnensystems ist, der vulkanische Aktivitäten aufweist, und dass Damini während Wanderungen im Gebirge bei der Betrachtung der Natur manchmal das Gespür empfindet, ein Besucher von einem anderen Planeten zu sein.

Dieser kurze und nur angedeutete Abriss soll zeigen, wie Damini Grundfragen unseres Daseins künstlerisch aufgreift, indem er dafür Symbole benützt, denn als zweistellige Zahl ist IO als auch zehn zu lesen.

Bei Frühlingswanderungen wird die Pusteblume von Kindern auch als neckisches und heiteres Spiel gebraucht, sich flockige Samenträger gegenseitig ins Gesicht zu blasen, während der Erwachsene in der Kugelform nicht nur die Idealform der Geometrie erkennt, sondern auch vergleicht, dass die zahllosen Samenträger als Botschafter symbolhaft unterschiedliche Inhalte weitertragen und so jeden Gartenzaun wie auch jede einseitige Mentalitätsgrenze mit großer Leichtigkeit überwinden können. Der Künstler hat auf seine Weise die delikate Pusteblume als Abbild der Natur zum vieldeutigen Paradigma menschlichen Daseins erhoben.

Wie aus den Werken ersichtlich ist, spekuliert Damini auf keinen vordergründigen Reiz, da sie zahlreiche intellektuelle Anspielungen sowie Gegensatzassoziationen enthalten und eine geheimnisvolle Bedeutsamkeit vermitteln. In der formalen und farblichen Spannung der Bildelemente sucht er eine universale Wirkung symbolhaft zu begreifen.    



Zauber einer entzauberten Wirklichkeit      
                                   
Martin Kammerer, Theologe, Priester, 2003
         

Mit seiner ganzen Existenz hat sich Markus Damini der Suche nach seinem eigenen künstlerischen Ausdruck verschrieben. Auf dieser Suche bleibt er nicht stehen, sondern lässt sich immer neu beleben von seiner Beobachtung der ihn und uns alle umgebenden Wirklichkeit. Da ist einmal die geschaffene Wirklichkeit der Natur, die sich in Millionen von Einzelteile aufgliedern lässt. Aufgliedern, entschlüsseln – das möchte Damini auch in seinen Bildern: Er nimmt die auf uns eindringenden Sinneswahrnehmungen unter sein "Künstler-Mikroskop": So kommt es, dass er den Schall, die auf uns überall eindringenden Laute, in Form strahlenförmig angeordneter Punkte darstellt. Ähnlich verfährt er mit den Oberflächen von Schmetterlingen oder Reptilien, ähnlich auch mit der Pusteblume – ein neues Motiv seines Schaffens. Da fühlt man sich von den in Tempera oder auf Leder geschaffenen Bildern an Darstellungen in Physik- und Biologiebüchern erinnert- wenn auch auf freundliche Weise verzaubert.

Damini experimentiert in seinen Bildern; und dabei gehen in seinen aus der Natur gegriffenen Motiven weder das Schöne noch seine ausgefeilte technische Fertigkeit verloren. Seine Bilder stehen im größeren Zusammenhang der Beobachtung des Kosmos: So wollen sie Anregung sein zum Nachdenken über die Entstehung der Wirklichkeit oder darüber, dass in einer noch so kleinen und unscheinbaren Pusteblume ein kleines Universum verborgen liegt – mit seinen Bausteinen, physikalischen, chemischen, biologischen. Oder zum Nachdenken darüber, dass Schall einen kurzen Augenblick unseres Lebens darstellt, dass sich in jedem Augenblick die ganze Ewigkeit widerspiegelt.

Sehr deutlich wird in den Bildern, dass der Mensch zwar im Zusammenhang der Natur steht, also im Zusammenhang der Schöpfung, aber dass ihm oft das von ihm selbst Geschaffene stärker bewusst ist: die Maschinen, die Elektronik, das Erforschbare mehr als das Unerforschbare. Das wird deutlich an der in Einzelteile "entschlüsselnden" Darstellung der Dinge: Der Mensch möchte Herr der Wirklichkeit sein und die Wirklichkeit durchforschen, in den Bereich des Erfassbaren, des Zählbaren, des Berechenbaren bringen. Aber gerade darin – im scheinbar aufs letzte Erforschten – entdeckt der Künstler einen Zauber, eine geheimnisvolle, uns letztlich doch verborgene Wirklichkeit.

 

Durch den Spiegel
 Verena Huber, Journalistin, 2003


In der Malerei findet Damini den Sinn des Lebens, den roten Faden im Leben. Es sei sein persönlicher Weg, und durch die Bilder entwickle er sich weiter. Der Maler sieht seine Arbeit als einen Versuch, die Wechselwirkung zwischen linker und rechter Gehirnhälfte in Wort und Bild aufzuzeichnen. Das Bild, sei es gemalt oder fotografiert, verkörpere laut Damini sowohl das Paradoxon als auch die gegenseitige Wechselwirkung zwischen Sein und Schein oder Wunsch und Wirklichkeit. Unter diesem Gesichtspunkt gesehen sei das Bild ein Spiegel, der das Bewusstsein des Autors widerspiegle. In der Betrachtung, gleich dem Schauen eines Kindes, werde das Bild (imaginär oder real) ein zeitloser Punkt, der das "persönliche Ich" mit dem Universellen selbst vereint.

 

Die Natur als Vorbild

Bilder sind für Damini wie Blumen, Ausdruck des Geistes, und so wie die Natur Blumen schafft, um Aufmerksamkeit zu wecken, so ist es auch des Künstlers Absicht, Aufmerksamkeit zu wecken und sein Ideen fortzupflanzen. Diese Fortpflanzung sei am besten zu vergleichen mit einer Pusteblume (Daminis bevorzugtes Motiv), die ihre Samen verbreitet. Die Pusteblume müsse gesehen werden als Metapher für das menschliche Verhalten und ihre runde Form (der Kreis ist für Damini die Perfektion) als die Vereinigung mit der Unendlichkeit.

 

Im Grunde ist alles Geometrie und Farbe

Die Materie reflektiert das Licht. Dies ermöglicht es dem Menschen, sie durch Farbe und Struktur zu erkennen. Farben haben für den Künstler ganz besondere Bedeutung: Blau verkörpert Analyse und Poesie zugleich, vereint zwei Extreme in einem, Blau beruhigt, während Rot die Sinne anregt und Gelb, unsere "Urfarbe" und Ursubstanz aller Lebewesen, die Freude zum Ausdruck bringt.

 

Auf der Suche nach dem "Selbst"

Die Sprache findet ihren Ursprung und ihre Seinsberechtigung aus einer inneren Notwendigkeit: der Suche nach dem "Selbst". Tatsächlich sei dem Maler zufolge das meist gesagte Wort "Ich". Erst die Wechselwirkung der Sprache mit der optischen Wahrnehmung ergebe eine psychologische Wirklichkeit. Ursache und Wirkung unserer Taten verstärken die Wechselwirkung zwischen Sein und Schein, Wirklichkeit und Realität. Erst durch die Erkenntnis und Erfahrung einer relativ bedingten Wahrnehmung und somit eines "Ich" könne dieses als Spiegelbild transzendiert werden und zu einem universellen "Selbst", einem "Miteinander" erkannt und gelebt werden. Es sei schlussendlich der ursprüngliche Beweggrund eines jeden Künstlers die (oft auch verzweifelte) Suche nach dem wahren "Ich" oder Selbst.

 

Durch den Spiegel zum Ich
Judith Wieser, Journalistin, Künstlerin, 2002


Der Brixner Markus Damini malte jahrelang auf Leder. Dazu entwickelte er neue Farben, die die Ledermaserung zur Geltung bringen lassen. Geradezu perfekt und mit eigenwilligen Mustern und Formen winden sich fantastische Krokodile über den kupferroten Untergrund. Hinter Glas gelegt und mit Kupfer oder Blei verbundene Ränder wirken die Bilder in die alten Gemäuer (der Engelsburg bei Neustift) hinein, um Transparenz und Ausklang frei zu halten. Er sagt: "Das Bild kann atmen, das Auge wird nicht eingeengt".

Zu den geometrischen Formen führt es ihn nach der "Lederphase". "Das Ich als Schicksalsrad / die Gedanken sind Spiegelbilder die um das Selbst kreisen". "IO", so erklärt Damini, setzt sich gleich mit Plus-Minus, Licht-Dunkel, voll und leer und spiegelt schließlich die dem Menschen innewohnende Dualität wieder. Er betont die Werte dazwischen. Gedanken sind wie Aspekte der sieben geometrischen Formen bis zur Aufschlüsselung ins Nichts und Alles zugleich.

Wunsch und Wirklichkeit ist Wechselwirkung wie Sein und Schein. In der reinen Betrachtung wird das Bild zum zeitlosen Punkt. Es ist das Selbst, dem er damit Farbe gibt und Form, um im selben Augenblick in die kosmische Weite einzugehen. In der Pusteblume findet er den Anschluss an die Natur zu unseren Füßen. Die kosmischen Zeichen, die das naturgetreue Abbild umschweben, sind Gedanken, Samen, die Frucht bringen mögen. Die Energien von Wasser, Luft, Licht und Klang verwendet er in der energetischen Form, die alles in Bewegung und Entwicklung hält. Alles spiegelt sich im Ich, und die Hand zeichnet den Inhalt nach.

 

 

 

 

Die mathematische Definition des Kreises hört sich recht einfach an: die Menge aller Punkte, die von einem Mittelpunkt den gleichen Abstand haben. Somit wird der Kreis durch seine Mitte, in der sich alles trifft, bestimmt – und dadurch zu einem zentralen religiösen und kulturellen Symbol, das man in aller Welt wiederfindet: als Zeichen und Inbegriff der Vollendung repräsentiert die kreisrunde Form die Welt des Göttlichen, die Aufhebung der Gegensätze, die ewige Wiederkehr. Der Kreis zieht sich in seinen verschiedensten Formen als roter Faden durch die menschliche Entwicklungsgeschichte. So zählen beispielsweise zu den ältesten erhaltenen Bauwerken der Menschen kreisförmige Strukturen wie der geheimnisvolle Steinkreis von Stonehenge oder die riesigen neolithischen Rundburgen in Irland, als Mandala ist er ein Werkzeug zur Meditation, als Rad setzt er den Anfang der Technik – man könnte die Liste ewig lang fortsetzen.

 

Das große Echo

Der Brixner Künstler Markus Damini hat in seiner Ausstellung die Symbolik des Kreises in das Zentrum der Engelsburg gestellt. Für ihn vereint der Kreis "alle Wesen im Wesentlichen. Der Urgedanke, der Kern, lebt immer weiter wie ein Echo". "Das große Echo" – so lautet auch der Titel der Installation im Herzen der Engelsburg (übrigens ebenfalls ein Rundgebäude, dessen Geometrie den frühmittelalterlichen Symbolismus widerspiegelt). Es handelt sich dabei um 160 vergrößerte Farbfotografien eines Lederbildes, die an den Wänden des oberen Raumes in der Engelsburg angebracht worden sind. Durch die zirkuläre Form des Raumes entsteht somit ein Bild, das sich wie ein "Perpetuum Mobile" durch seine ständige Wiederholung selbst ergänzt. Konzentrische Kreise ergeben sich: Man hat das Gefühl, in den Kosmos zu blicken, in ferne Galaxien, die um einen kreisen oder um die man selbst kreist, bis man sich darin aufhebt und sich selbst als harmonischer Teil der Installation spürt.

 

 

Über das Echo eines Malers
Martin Kammerer, Theologe, Priester, 1999

 

 

Von der Phantasie zum Traum: Dieser wird zur Metapher für Daminis Malerei. Denn was wir im Traum sehen, sehen wir nur selten in der Wirklichkeit. Die "wirklichen Bilder", die der Künstler in der Natur gesehen hat, verarbeitet er zu Traumbildern in Farbe. Was wir nicht sehen können, wird Inhalt einer Kunst, die auf das Sehen angewiesen ist. So sind es beispielsweise die Werdegänge in der Schöpfung, die zu ihren Themen werden. Und Damini sagt mir "Was wir nicht sehen, ist ebenso wichtig wie das was wir sehen." Mit diesem Leitspruch malt er Atome in seine Bilder. Aus Atomen besteht auch eine Blume, der sich eine Libelle nähert. Die Libelle ist aber als Libelle gemalt, nicht als atomare Struktur. Die Farben nuancieren in Blaugrün.

Es ist schwierig, den Gehalt von Daminis Malerei auf einen Nenner zu bringen: Farben, geometrische Formen, traumhafte, phantastische Gestalten führen den Beschauer in eine zauberhaft schöne Welt. Es ist die in der Natur vorhandene "Intelligenz", die den Künstler immer wieder bezaubert. So stellt er ein Insekt mit langen Fühlern und mit einem dreieckigen Körper auf Bienenwaben dar. Die Bienenwaben bilden den Hintergrund für das strenge Dreieck des Insektenkörpers. Im dreieckigen Körper sind die Waben – etwas heller gefärbt – ebenso sichtbar. Wer das Bild länger betrachtet, wird auf eine optische Täuschung aufmerksam: Die Waben im Körper verschieben sich augenscheinlich zu Würfeln. Es besteht ein Spiel zwischen den Formen der Natur und den mehr technischen der Geometrie. Für Damini ist das dreieckige Insekt ein Beispiel für ein Tier, das sich an seine Umgebung anpaßt.

Das Thema "Natur" ist auch in der Installation im Turm der Engelsburg ausgedrückt. Dort hat der Künstler das Echo künstlerisch darzustellen versucht. Die Töne des Schalls verbreiten sich kreisförmig. Die Brixner Firma Durst hat das Bild von den Schallwellen für Damini fotografisch vervielfältigt. So konnte derKünstler das Bild vom Schall als kreisförmige Sequenz an die Steinwände des Turmes hängen. Der dazugehörende Ton wird von einer Stereoanlage "angegeben".

Die gesamte Ausstellung ist von einer großen Liebe zu den Erscheinungen in der Natur gekennzeichnet und zeugt von einem großartigen Geschick.

 

 

Bilder auf Leder
Egon Tscholl,  Kunstprofessor und Kunstkritiker, 1995

 

 

Damini baut seine Kompositionen in freier Formenfindung auf, indem er auf die Illusion der Wirklichkeit verzichtet. Gefühlsmäßige Assoziationen bilden die Motive für bildnerische Konzepte, die er als Skizzen auf dem Papier vorzeichnet, da das Leder keine Korrekturen erlaubt. Im Prozess der Bildwerdung entfalten such die unterschiedlichsten Formenzeichen zu zwangsläufiger Beziehung. Zum Beispiel das Bild mit dem Titel "Entstehung der Materie" zeigt eine Vielzahl von unregelmässigen Mustern, die aber in beinahe ritueller Zuordnung das Bildganze so geordnet aufbauen, als wollten sie auf den harmonischen Schöpfungsakt der Welt hinweisen. Kreise und Dreiecke sowie andere geometrische Formen, bilden den Kompositionsaufbau auf einem imaginären Hintergrund. Neben den geometrischen Formen werden auch Zeichnungen eingebunden die einem systematischen Abstraktionskodex verpflichtet sind. Geht man von der partiellen Beobachtung ab, um das Formengefüge in seiner Gesamtheit zu überschauen, so ordnet sich dieses zu einem kosmischen Komplex zusammen. In präziser Detailarbeit sind die figürlichen und ornamentalen Motive mit einem Metallstift so ins Leder eingedrückt, anschliessend mit der gewünschten Farbe eingerieben, dass man nicht mehr an die Handarbeit denkt, sondern veranlasst wird, sich an das jeweilige Bildmotiv zu verlieren. Auch Fische und Blumen werden durch die deformatorische Umgestaltung des Figürlichen in neue Bildgestalten verwandelt.

Die malerisch empfundenen Bildkonstruktionen deuten in ihrer Schwerelosigkeit gleichsam auf einen Traum – oder Trancezustand hin.

Anschliessend kann festgestellt werden, dass die Eigenart und Besonderheit dieser Arbeiten nicht so sehr in der minutiösen handwerklichen Ausarbeitung liegt, als vielmehr in der Heraufbeschwörung von aussergewöhnlichen Gestalten und Formen und in der Freisetzung von bildgestalterischen Assoziationen.

 

 

Parallele Welten
Fiorenzo Degasperi, Kunstkritiker, 1994

Jedes Zeichen, wenn mit geschickter Projektion ausgeführt, überschreitet den rein grafischen Ausdruck am Symbol um als solches interpretiert zu werden. Das Symbol wurde in der Geschichte als Nabelschnur verwendet, die den Mikrokosmos mit dem Makrokosmos, die menschlichen Gefühle mit dem Universum verbindet. Markus Damini, Südtiroler Künstler, begeht seit einigen Jahren diesen Weg.

An Stelle von Leinen oder Papier verwendet Markus Damini jenes Material, das er am besten kennt, nämlich das Leder. Er läßt es in warmen Farben erscheinen und verwendet es als Basis für seine einfachen, phantasiereichen und eleganten Zeichnungen.Das lederne Material wird seine Welt, seine Galaxie. Die Zwischenräume bevölkert er mit genau sagomierten Figuren, die, dank dem Punzierverfahren geometrisch wirken.

"Das Meer, Wiege des Lebens", ist eines seiner beliebten Themen. Außerdem ist gerade das Wasser, das den Ursprung allen Seins, allen Lebens in Erinnerung ruft. Und wenn es nicht das Meer ist, sind es die einfachen, geometrischen Elemente, welche die Phantasie des Damini durch die Geschichte, jenseits der Kontinente führt, um sich mit der universalen, "primitiven" Kultur zu vereinen. Jene Kultur eben, welche ihre Dekorationen als Sprungbrett für ihre Reisen durch die Phantasie und zu anderen parallelen Welten verwendet. Die geometrischen Zeichen, der Kreis, das Rechteck, der Punkt, die Linie, sind Bauelemente für eine hypothetische Sternenwelt, in welcher der Mensch noch seine eigene Dimension entdecken muß.

 



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